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ANGELE - Herkunft des Namens

Im Frühjahr 2007 wurde im Fernsehen ein Bericht über die „GfN Gesellschaft für Namenkunde e.V.  an der Universität Leipzig“ ausgestrahlt. Gegen eine geringe Gebühr konnte man ein Gutachten über die Herkunft des eigenen Namens erstellen lassen. Im Spätherbst 2007 ging uns dann ein siebenseitiges Gutachten zu, das auszugsweise folgenden Inhalts ist:


Mit aktuell 604 Einträgen im deutschen Telefonbuch zählt  Angele bzw. Angelé  zu den verhältnismäßig häufigen Familiennamen. Da die Deutung des Namens Angele nicht losgelöst vom sprachlichen Umfeld seiner Entstehung erfolgen kann, muss zunächst das Ursprungsgebiet des Namens umrissen werden. Eine Kartierung zeigt eine breite süddeutsche Streuung auf, welche sich rund um die Schwäbische Alb zu verdichten scheint. Ein aussagekräftiges Streuungsbild zeigt sich, wenn wir die Telefonanschlüsse zusätzlich mit Bevölkerungsdichte verrechnen. Eine so erhaltene Karte der relativen Häufigkeit hebt stärker den Landkreis Biberach aus dem süddeutschen Verbreitungsschwerpunkt hervor. Die heutige Verbreitung eines Familiennamens kann sehr aufschlussreich für die Lokalisierung seiner Ursprungsregion sein, da Familiennamen trotz der zeitlichen Ferne zum Entstehungszeitpunkt bis heute relativ ortsstabil sind. Gerade Namenhäufungen in einem eng umgrenzten Raum sind fast immer sicheres Indiz für das Ursprungsgebiet. 
Wir gehen demnach von einem Familiennamen aus, der im schwäbischen Dialektgebiet gebildet wurde. Typisch für das Schwäbische sind Namenbildungen, die mit Hilfe der Endung  -le geformt wurden. Der eigentliche Bedeutungskern dieser kosenden Namenformen liegt in der Ableitungsbasis, in unserem  Fall die Basis  Angel. Für diese Wurzel  Ange(l)  lassen sich drei Anbindungen im mittelalterlichen schwäbischen Wort- und Namenschatz finden.


1. Angele  =  ‚Stachel’

Zunächst lässt sich der Familienname  Angel mit dem sprachhistorischen Vorläufer unseres modernen Wortes Angel verbinden. In Anwendung des Wortes auf verschiedene Lebensbereiche bildeten sich zu familiennamenbildender Zeit verschiedene Einzelbedeutungen heraus. Einerseits wurde das Wort als ‚Stachel’ verstanden und auf den Stachel von Insekten wie auch die Grannen der Ähre und die holzigen, haftenden Bruchstücke beim Brechen des Flachses übertragen. Andererseits prägte sich ein Bedeutungszweig im technischen Bereich heraus, der auf die ‚Fischangel’, die ‚Türangel’ wie auch den ‚Teil der Messerklinge, der im Griff verankert ist’ referiert.


2. Angele zum Rufnamen  Angelo

Daneben bietet auch der mittelalterliche Rufnamenschatz eine Anbindungsmöglichkeit für den Familiennamen Angele. Insbesondere ist auf den Rufnamen Angelo zu verweisen, der häufig in oberdeutschen Urkunden des Mittelalters – auch in Formen wie Angelin(us), Angelus, Anglinus, Englin und Engelo –  erscheint. .
Zum sprachhistorischen Hintergrund des Rufnamens Angelo: Es handelt sich klar um  eine Koseform für Personen des Taufnamens Engelhard oder Engelbrecht – beides Taufnamen, die zum Ausgange des Mittelalters hochproduktiv waren.  Deren Erstglied Engel- muss an den germanischen Wort- und Namenschatz angeknüpft werden  - man denkt an eine Zugehörigkeit zum Volksnamen der Angeln.
Im Mittelalter war es üblich, sich selbst über den Vater und dessen Namen vorzustellen, etwa „ich Johannes, des Hartmuts Sohn“. In der Folge konnte der Name des Vaters an den Nachkommen haften bleiben und in den folgenden Generationen zum vererblichen Familiennamen werden. Der Familienname  Angele  weist in diesem Zusammenhang auf einen Vorfahren hin, der den Rufnamen Angelo trug.


3. Angele = ‚Anger’

Schließlich ist das Wort angel im Schwäbischen auch in einem ganz anderen Bezug nachzuweisen, und zwar als lautliche Nebenform zum Wort Anger ‚Grasland’. Der Anger war ursprünglich wohl gegen Viehtrieb eingezäuntes Wiesenland, das abgemäht wurde. Das für diese Wirtschaftsordnung gebräuchliche Wort bzw. seine Nebenform Angel war vor allem in Oberschwaben gebräuchlich, wovon heute noch Flurnamen wie Angerbaind, Brühlanger, Angermühle, Angelgarten, Angelhof und Angelflur zeugen.
Solche nach ihrer Nutzung benannten Örtlichkeiten fanden als Wohnstättennamen Eingang in den  Familiennamenschatz. Eine Benennung nach der Wohnstätte wird besonders deutlich, wenn wir uns vor Augen halten, dass Familiennamen innerhalb der bäuerlichen Gesellschaft aus dem normalen Redefluss und im normalen Tagesgeschehen entsprungen sind. Die Angele-Vorfahren hätten dann am Anger gewohnt.
Aus namengeographischem und sprachwissenschaftlichem Befund lassen sich folgende Punkte zusammenfassend festhalten: Der Familienname Angele, der im Raum  Biberach entstanden ist, beruht als schwäbische Koseform auf der Namenwurzel Ange(l). In dieser Wurzel sind drei Wörter bzw. Namen zusammengeflossen, die sich aufgrund  ihrer gleichen Lautung nicht voneinander trennen lassen. So kann aus sprachwissenschaftlicher Sicht nicht entschieden werden,  ob der Name auf einen widerborstigen Vorfahren anspielt, der bildlich als Angel ‚Stachel’ betitelt wurde oder ob der Familienname auf einen Ahn des Rufnamens Angelo Bezug nimmt. Auch die Wohnlage des Stammvaters an einem Angel ‚Anger’ konnte das Motiv für den Beinamen vorgegeben haben.


gez. Judith Schwanke M.A 
Leipzig, den 11.7.2007.
Namenberatungsstelle Universität Leipzig

Anmerkung: Wie wir im Sippenarchiv sehen können, wurden zu allen Zeiten unserer Sippengemeinschaft Erklärungsversuche zur Herkunft des Namens angestellt. Wir werden uns damit abfinden müssen, es nie endgültig genau zu wissen.

(Beitrag aus "Angele-Info 2008", S. 10)