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Florian Angelé, geb. am 12.08.1811 in Berlin, verst. am 28. oder 29. Oktober 1848 in Wien.

Er entstammt der Erlenmoos-Berliner Linie der Angele.

Florian ist Inhaber einer Fabrik, in der Eisenbahnwaggons hergestellt werden. Er stirbt 1848 bei den Freiheitskämpfen in Wien. Seine ebenfalls in Wien verheiratete Schwester Adelheid Eichen übermittelt ihrem Bruder Cunibert die traurige Nachricht in einem Brief vom 06.11.1848.



Brief von Adelheid Eichen geb. Angelé an ihren Bruder Cunibert Angelé in Schlesien

Wien den 6ten Nov. ‘48


Lieber Bruder,

Du wirst Dich gewiß wundern, daß ich einmal an Dich schreibe, aber leider! muß ich, so schwer mirs auch wird, Dir eine höchst traurige Nachricht mittheilen. Du wirst gewiß schon von den schrecklichen Ereignissen, die sich in Wien zugetragen, gehört haben, denn es sind schon volle 4 Wochen, daß Wien im Belagerungszustande erklärt ist und der Kaiser dem Fürsten Windischgrätz die General-Vollmacht gegeben mit den Wienern zu verfügen nach Belieben. Dieser hat uns nun Bedingungen gestellt, denen sich die Wiener nicht fügen wollten und in Folge dessen ganz Wien auf eine entsetzliche Art bombardieren lassen. Was wir nun schon in den 4 Wochen gelitten kannst Du kaum glauben; 4 mal habe ich mit meinen 4 Kleinsten das Haus verlassen weil wir sehr nahe bei der Linie wohnen und daher der schrecklichen Gefahr am meisten ausgesetzt wären; was sich von unseren Sachen in den Keller bringen ließ, habe ich hinunter getragen. 2 Nächte haben wir in Florians Fabrik auf Stroh geschlafen; aber wie wir die Croaten und das Militaer näher rücken sahen, haben wir uns wieder in unsere Wohnung geflüchtet; unser guter Bruder (Anm. Florian Angelé) zog aber vor in seiner Fabrik zu bleiben, und ich hatte ihn seit 10 Tagen nicht mehr gesehen, kurz und gut, er kam am Tage, wo das eigentliche Bombardement losging herein, es war Sonnabend den 28ten zog sich sauber an u. holte sich Geld aus der Stadt um seine Leute auszuzahlen, in der Stadt angekommen hört er allarmieren u. stürmen und kommt in der größten Angst zurück, läßt, da er keine Waffe in unserem Hause fand, sich ein Gewehr vom Hauptmann geben und mischt sich, obgleich er bei der National Garde war, unter die mobile Garde und geht ohne mein Wissen in den Kampf - denke Dir nur lieber Kunibert - kämpft dort 13 volle Stunden u. wird nach Gottes weisen unergründlichen Rathschluß erschossen. Leider! muß ich Dirs melden, weine und lasse Deinen Gefühlen freien Lauf; Trost kann ich Dir nicht geben, da menschlicher Trost hier ganz überflüssig ist. Nur Du kannst meinen ungeheuren Schmerz ermessen, denn wir verlieren beide gleich viel u. ich aber noch viel mehr wie Du, denn er war mein Tröster u. Unterstützer. ---

Nun denke Dir noch das Schreckliche dazu, daß seine Fabrik in einen Aschenhaufen verwandelt wurde und Eichen sein bisschen Vermögen auch hinein gesteckt hat, erst kürzlich hat Ei. ihm noch 600 (Fr.) gegeben, die er ihm, nachdem die Wägen für die Staats Eisenbahn abgeliefert, wieder gegeben hätte, u. jetzt ist alles hin! Denke Dir nur wenn uns noch die Dampf-Maschine oder das Grundstück bliebe, aber die Staatsverwaltung hat sich sogar hierauf schon vormerken lassen; 12 Wägen waren schon zum abliefern fertig, konnten aber der Barricaden wegen nicht transportiert werden. Nun denke Dir den Eichen immer krank dabei, daß er gar nichts unternehmen kann denn es sind schon 7/4 Jahr, daß er nicht ins Geschäft gegangen ist, aber trotzdem seinen Antheil daran hatte, aber was nun? Wenn er nur gesund wäre da wärs für unsere Zukunft doch nicht so schlecht. Gott wird helfen! so will ich mich trösten. u. auf ihn meine Zuversicht setzen.


Sind ja nicht wir allein, denen es so hart geht, viele 100derte von Menschen hat solch trauriges Loos getroffen; Du solltest nur die Brandstätten um u. in Wien sehen; ich weiß gewiß, daß sich der Schaden auf viele Millionen beläuft. Siehst Du lieber Bruder, da lebt Ihr doch in Euer Thal viel glücklicher, wenn Euch auch öfter das Luxuriöse Treiben einer Weltstadt abgeht, habt Ihr doch für Euer Leben u. Eigenthum nicht so viel zu fürchten, u. habt doppelten Genuß an der schönen Natur.

Nun lieber Bruder jetzt bist Du nur noch mein einziger, nun werde ich mich öfter mit Dir und Deiner lieben Frau unterhalten; Du mußt mir aber auch öfter schreiben wie es Euch geht. Nun lebe wohl und Gott mag Dich trösten so wie auch Deine Dich liebende Schwester

Adelheid

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Anmerkungen:

Celestine Barbara ADELHEID Eichen geb. Angelé
geb. 15.8.1809 in Berlin
6. Kind des Peter Josef Angelé (1763-1814)

Johann Anton FLORIAN Angelé
geb. 12.8.1811 in Berlin
7. Kind des Peter Josef Angelé

Siegfried Anton CUNIBERT Angelé
geb. 17.9.1813 in Berlin
8. Kind des Peter Josef Angelé


Die beschriebenen Ereignisse betreffen die Freiheitskämpfe 1848

 

Auf den Spuren von Florian Angelé in Wien, gestorben während der Revolution von 1848

Auf der Rückfahrt von Ungarn macht die Sippe einen Halt im Süden von Wien in der Nähe des heutigen Südbahnhofs. Hier hatte Florian Angelé eine Waggonfabrik. Florian Angelé ist 1811 in Berlin geboren und entstammt der Angele-Linie Erlenmoos-Berlin. Er zieht nach Wien, wo schon seine Schwester Adeleheid lebt. Er erwirbt 1846 ein Grundstück im Süden Wiens an der Laxenburger Strasse und baut eine Fabrik für Eisenbahnwaggons. Im Oktober 1848 könnte er seinen ersten grösseren Auftrag ausliefern, doch die kaiserlichen Truppen haben zur Rückeroberung Wiens angesetzt, das während der 1848-er Revolution von den demokratischen Aufständischen beherrscht wurde. Florian zahlt seinen Arbeitern den Lohn aus und beteiligt sich an der Verteidigung Wiens im Bereich seiner Fabrik. Die kaiserlichen Truppen setzen schweres Geschütz ein, es gibt heftige Zerstörungen, Wien brennt an vielen Stellen, es gibt über zweitausend Tote. Auch Florian ist unter den Toten. Er wird am 29. Oktober in der Maschinenwerkstätte der Gloggnitzer Eisenbahn gefunden. Das ist im Bereich des heutigen Südbahnhofs, also in der Nachbarschaft seiner Fabrik. Wir haben Informationen zu diesen Vorgängen aus einem Brief von Florians Schwester Adelheid Eichen geb. Angelé an ihren Bruder Cunibert in Schlesien.
Herr Walter Sturm vom Bezirksmuseum Favoriten lieferte uns weitere fundierte historische Details zu diesen Vorgängen. Herr Sturm war ausserdem so freundlich und hat der Reisegruppe der Sippe an Originalschauplätzen die damaligen Vorgänge erläutert und den Bereich der Fabrik und der Kämpfe gezeigt.

 

Info zur Revolution 1848

In vielen Teilen Europas kam es im Jahre 1848 zu Aufständen des Bürgertums und der Arbeiterschaft, gegen die absolutistisch herrschenden Fürstenhäuser. Inspiriert von den Gedanken der Aufklärung und des Liberalismus erhoben sie Forderungen nach Bürgerrechten und Demokratie. Die Aufstände wurden meist blutig niedergeschlagen. Dennoch kam es in den Folgejahren zu einer gewissen Demokratisierung und Liberalisierung.

 



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