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Generationswechsel auf einem Angele-Lehenshof anno 1768

Die Urheimat des Angele-Geschlechts und dessen breite Streuung in den umliegenden Dörfern liegt im oberschwäbischen Anerbengebiet begründet, in dem Höfe, Lehensgüter und Selden geschlossen an einen Erben weiter gegeben werden. Dabei gab es bei den geistlichen oder weltlichen Herrschaften keine wesentlichen Unterschiede.

Im Rahmen eines schriftlichen Ratsprotokolls wurde alles in einem Aufwisch geregelt, nämlich die namentliche Feststellung der neuen „Beständer“, das “Beibringen“ des Ehepartners, die Auslösung der „weichenden Erben“, das „Leibgeding“ für die Eltern und nicht zuletzt die „Verehrschatzung" als Abgabe an die obrigkeitliche Herrschaft nach einem festgelegten Prozentsatz vom „Anschlag“ des Lehens (für Auffahrt 10 %, für Abfahrt 5 %, dazu kam noch der Erbfall). Die Geschwister des Anerben, die sog. „weichenden Erben“ mussten mit Geld abgefunden werden. Dazu gehörte auch die „Aussteuer“ der Schwestern, die bei einer Bauerntochter auf alle Fälle aus einer „angemachten Bettstatt“, einer Truhe oder einem Kasten sowie einer Kuh (bei größeren Lehen) bestehen sollte. Der Wert des zu verteilenden Anwesens wurde auf eine bestimmte Summe angeschlagen, wobei berücksichtigt wurde, dass der Übernehmer für die übergebenden Eltern oder den noch lebenden Elternteil auf Lebenszeit die sog. „Leibnus“, d.h. Kost, Wohnung, Kleidung und eventuell weitere vereinbarte Leistungen aufzubringen hatte. Der um die vorhandenen Schulden gekürzte Anschlag wurde unter die erbberechtigten Kinder gleichmäßig aufgeteilt, und der neue Hofinhaber musste die weichenden Erben entsprechend „auslösen“. Dabei wurde natürlich abgezogen, was für einen Erben bisher schon ausgegeben worden war, etwa für Mitgift einer Schwester oder die Einheirat eines Bruders in ein anderes Gut. Die Auslösung erfolgte meist in zeitlich und in der Höhe festgelegten Raten, sog. „Zielern“. Eine feste Regelung, wer von den männlichen Erben, die vor den weiblichen den Vorzug hatten, das Gut bekam, gab es nicht. Häufig bekam es der Älteste, oft auch der Jüngste, weil darin die Eltern oder der noch lebende Elternteil das Heft möglichst lange in der Hand behalten konnten. Nicht selten erhielt den Hof auch derjenige, der den besten „Anstand“, d.h. die reichste Braut fand. Auf dem Ringschnaiter St. Desiderius-Lehen war die Schuldenlast so groß, dass nicht einer der 5 Söhne das Erbe erhielt, sondern die Tochter Juliane wohl deshalb, weil ihr Hochzeiter eine besonders hohe Mitgift in das verschuldete Anwesen einbringen konnte.

Aus der Gutsübernahme  und der Verpflichtung zur Auslösung der weichenden Erben konnte sich vor allem bei größerer Geschwisterzahl für den neuen Inhaber eine enorme finanzielle Belastung ergeben, die nicht selten dazu führte, dass er das Gut auf Dauer nicht halten konnte. Deshalb war das „Beibringen“ des einheiratenden Ehepartners meist von entscheidender Bedeutung für das weitere Schicksal eines Anwesens. Für den Fall, dass einer der Ehepartner starb, ohne dass ein „Leibeserbe“ da war, wurde ein sog. „Rückfall“ vereinbart, d.h. eine bestimmte Summe, die dann an die Verwandtschaft des Verstorbenen zu bezahlen war. Oft wurden die Heirat des Gutsübernehmers und die Gutsübergabe miteinander verbunden.

(Beitrag aus "600 Jahre Angelin-Angele", S. 8f)



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