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Unsere Vorfahren im Strudel der Glaubensspaltung und der Religionskriege

(Beitrag aus "600 Jahre Angelin-Angele", S. 6f)

Um 1520 lebten Angele im spitälischen Biberach meistens als Zunfthandwerker und Lehensbauern, im Ochsenhauser und Heggbacher Herrschaftsgebiet als Inhaber von Lehenshöfen. Um 1523 gab es in Biberach erste Ansätze von reformatorischen Bestrebungen durch den Prediger Bartholomäus Müller. Zu dramatischen Entwicklungen kam es dann 1525 durch den Bauernkrieg. Biberach lag im Zentrum des Geschehens. Innere Spannungen kamen zum Vorschein als der „Baltringer Haufen“ vor den Toren der Stadt erschien.


Baltringen war ein spitalisches Dorf. Die Klagen der Bauern richteten sich gegen die städtische Obrigkeit, wobei sie sich auf die Thesen Martin Luthers beriefen. Biberacher Handwerker und Zunftmeister unterstützten die Bauern und hetzten sie auf mit den Worten „Machet, Ihr Bauern, mit Eurem Adel und Euren Klöstern fertig und wir Biberacher werden die Patrizier und die  Magistratsräte über die Mauern schmeißen“.


Nach blutigen Kämpfen schlugen die Truppen des schwäbischen Bundes unter dem Truchseß Georg von Waldburg im Jahre 1526 die Bauernerhebung nieder. Unter den gefangenen Bauern war auch der Ringschnaiter Hans Angele.


Biberach begab sich auf den Pfad der Reformation. Die verhängnisvolle Glaubens-spaltung führte schließlich zum 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648. Sechs mal wechselten Sieger und Besiegte den Besitz der stark ummauerten Stadt. Von den Truppen, die sich selbst versorgen mussten, erfolgten in Stadt und Land fürchterliche Plünderungen.


Nach dem westfälischen Friedensschluß von 1648 wurde die zukünftige Religionsausübung nach dem Stand vom 1. Januar 1624 festgesetzt. Eine kaiserliche Exekutionskommission regelte 1649 in einem Rezess die wichtigsten Punkte der Parität in der Stadt Biberach. Diese „Parifikation“ (Gleichstellung) war erst 1668 beendet. Bei den hospitälischen Lehenshöfen wurde ebenfalls die zukünftige Religionsausübung bestimmt. Betroffen davon waren auch die an Johann und Georg Angelin belehnten Risshöfe. Diese wurden den Katholiken zugesprochen, während der Röhrwanger Schultheiß Georg Angelin beim evangelischen Glauben bleiben durfte. Die Kommission  erarbeitete einen Vertrag in dem über die hospitälischen Lehenshöfe am Schluß bestimmt wurde: „und weil bey diesem Parifikationswesen auch in punkto restutionis der spitälischen Lehensgüter ad annum 1624 zwischen beiden religionsverwandten Magistraten ebenmäßige Missverständnisse und bey mit einlaufende Beschwer¬lichkeiten vorgefallen, so ist zur Verhütung mehrer Schäden und Gefahr das Werk endlich dahin gestellt, abgeredet und verglichen worden, dass der von Georg Härlin zu Schammach bestandene Hof und Wirtschaft nach dessen Absterben mit einem evangelischen ohne männigliches Hindernis und Ansprach besetzt und künftig mit dergleichen Besetzung continuieren, zumalen gleich jetzo das neue Haus daselbst mit den dazu geordneten Äckern und Wiesen mit einem Evangelischen zu besetzen und gleichergestalten damit zu continuiren eingeräumt; und dann dass der Gemeind Bergerhausen das schon hiebevor verliehene nächst angelegene also genannte Hohe Haus ohne weitere Ansprach verbleiben sollte. Dahingegen sollen und wollen die Evangelischen den Katholischen zu immerwährendem Tausch oder Abwechslung und jetztmalig und künftig beständigem Besitz und Inhabung von dero Religionszugethanen wirklich abtreten und überlassen; Hans Härlin von Attenweiler damaligen Wirts innehabenden Lehenhof und Wirtschaft, Georg Unsölden daselbst zu  Attenweiler Lehenhof, Hans Angelins zu Risshöfen Lehenhof, Georg Angelins zu Risshöfen Lehenhof. Hans Rauhen zu Hochstetten Lehenhof, Christie Braunen zu Hochstetten Lehenhof, Ulrich Burkhardten zu Burgried Lehenhof, Hans Schicken zu Winterreuten Lehenhof und dann Melcher Hechten Wittib zu Ingerkingen Söldgütle“.


Die Ereignisse bei der Glaubensspaltung  haben uns einige Namensträger überliefert. Der Biberacher Goldschmied Jörg Angelin gehörte zu den Gehilfen des Bürgermeisters Christoph Gräter, der die Verbreitung der Lehre Luthers duldete. Andererseits wird der kath. Priester Michel Angelin aktenkundig, der trotz schwerer Bedrängnis dem angestammten Glauben treu geblieben ist.


Im 17. Jahrhundert erscheinen Angele-Namensträger, welche sich als evangelische Pastoren große Verdienste erworben haben, so Jakobus Angelin, 1601 in Biberach geboren, war 19 Jahre Diakonus und Superintendent in Wertheim und sein 1603 geborener Bruder war von 1632 bis 1636 Superintendent in Nürtingen.


Bei der Angele-Sippenforschung ist es wichtig zu wissen, dass bei Angehörigen evangelischen Glaubensbekenntnisses in der Regel in den evangelischen Kirchenbüchern von Biberach, Birkendorf, Bergerhausen, Röhrwangen, Oberholzheim, Attenweiler und Wain nachgeschlagen werden kann. Bei den übrigen Gemeinden des Kreises Biberach sind die katholischen Kirchenbücher eine gute Fundgrube.



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