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Sonntagsblatt 1988 über Josef Angele

aus: Katholisches Sonntagsblatt Diözese Rottenburg-Stuttgart, 15.2.1998, Titelgeschichte

 

Mit Spürsinn wie ein Detektiv:

Sippenvater Josef Angele fahndet nach Vorfahren und Verwandten in aller Welt

Oft sitzt er nächtelang vor Akten, Abschriften oder Kopien alter Urkunden, entziffert verschnörkelte Schriften, grübelt über nicht mehr gebräuchlichen Berufsbezeichnungen. Einmal im Jahr verschickt er einen Rundbrief an die Verwandten, an mehr als 1300 Menschen in aller Welt. Josef Angele ist passionierter Ahnenforscher

Vor zehn Jahren hat er das Erbe seines Onkels Pfarrer Albert Angele angetreten. Der 77jährige Diplomlandwirt aus Ringschnait bei Biberach ist Sippenvater und verwaltet und vergrößert einen bemerkenswerten Schatz: die Ahnenstämme der Angeles, die bis ins 15. Jahrhundert reichen.

Schon vor mehr als 50 Jahren hat Pfarrer Albert Angele nach jahrelangen Forschungen festgestellt, daß alle in der Welt lebenden Angele-Generationen einen Ursprung haben: die Weiler von Höfen bei Biberach. Der Geistliche gründete die Angele-Sippe und organisierte regelmäßig Treffen. Wenn sich die Vettern und Basen in diesem Jahr zum 50. Mal treffen, kann Sippenvater Josef Angele mit einem besonders kostbaren Geschenk aufwarten: mit einer mehrhundertseitigen Dokumentation, reich gespickt mit Archivunterlagen und Berichten über Leben und politisch-soziales Umfeld der Vorfahren. Und natürlich hat der rüstige Senior darin auch die Angele-Stammlinien abgebildet, insgesamt 15, deren älteste 18 Generationen zurückreicht und in sieben Äste verzweigt ist.

"Mehr als 3000 Angehörige haben wir schon herausgefunden", sagt Angele voller Stolz. "Es ist wie eine Sucht, ich will Leute in den Stamm einbinden, so wie ein Jäger einen schönen Hirsch erlegen will." Manchmal gehen Monate ins Land, bis er die richtige Spur gefunden hat. "Bis zum Jahr 1875 ist es einfach", sagt er, "da wird man in den Standesämtern fündig." Doch bevor in der Zeit der französischen Besatzung das Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes und der Eheschließung" verabschiedet wurde, führten nur Kirchen Buch über Geburt, Heirat und Tod. "Die Kirchenbücher sind ein unschätzbares Kulturgut", weiß Angele. Aber die finden sich nicht lückenlos in Pfarrarchiven. Einige liegen in Diözesanarchiven, andere in Klöstern oder im Staatsarchiv - detektivischer Spürsinn ist gefragt und Geduld.

Richtig abenteuerlich wird die Suche vor dem 17. Jahrhundert. "Da gibt es die Ratsprotokolle", erklärt Josef Angele, der nach dem Krieg Bürgermeister in Ringschnait war, dann 18 Jahre lang Ortsvorsteher und nebenbei Landwirt. Wer sie lesen kann, für den sind die Ratsprotokolle richtige Romane. Da erfährt man, wer mit wem gestritten hatte, wer wem wieviel Geld schuldete, warum jemand vom Hof gejagt wurde ...

"Stöbern in Archiven ist eine spannende Reise in die Vergangenheit." Angele erzählt von der Zeit, als einige Vorfahren aus wirtschaftlicher Not um 1730 mit der "Ulmer Schachtel" nach Ungarn gekommen waren, wie ärmlich das Leben war, wie sich die Kirchenspaltung in Familien auswirkte, wie Politik das Leben beeinflußte - Geschichte im Kleinen, "man kann sich richtig hineinversetzen". Eine Urkunde von 1405 belegt, daß ein Michael Angele eine Wiese verkaufte. Eine andere besagt, daß der Weber Hans Angele um 1415 mit seinem Nachbarn wegen einer Haustür einen bösen Streit hatte. Das sind die ältesten bekannten Angele-Dokumente.

Der Hobby-Historiker, der auch ein Heimatbuch über Ringschnait verfaßt hat, wendet den Blick nicht nur in die Vergangenheit, er sucht auch Nachfahren. Verwandtschaftslinien in Ungarn, Amerika und in der Schweiz hat er ausfindig gemacht und der rege Austausch mit der ungarischen Linie hat sogar zu einer Schulpartnerschaft geführt. Um den weltweiten Kontakt zu erleichtern, hat die Sippe jetzt sogar eine homepage im Internet.

Auch prominente und kuriose Persönlichkeiten hat Josef Angele in der Sippe entdeckt. Da gab es im letzten Jahrhundert eine Berufswallfahrerin, die für all jene pilgerte und betete, die weder Zeit noch Geld hatten. Oder den 1996 verstorbenen amerikanischen Raketenforscher Wilhelm Angele, der an der Entwicklung der Saturnrakete arbeitete und bei der NASA über Einsteins Relativitätstheorie forschte. Im Oktober 2002 wird übrigens "seine" Rakete Einsteins Theorie unter Beweis stellen. Und es gibt die 77jährige Sr. Maria Theresia im Kloster in Galan bei Lourdes. 1942 erkrankte sie an Multipier Sklerose, pilgerte nach Lourdes und wurde geheilt. Daraufhin trat sie ins Kloster Galan ein. Sie ist übrigens die einzige Deutsche, deren Wunderheilung kirchlich anerkannt ist.

Sippenvater Angele geht es nicht darum, herausragende Persönlichkeiten ausfindig zu machen. "Ich will Menschen und Geschichte verstehend, sagt er, Letztlich steckt die Frage dahinter: wer bin ich, warum bin ich so, wie ich bin."

 

Andrea Wohnhaas

 

(Bildunterschrift 1) Eine eigene Seite im Internet erleichtert den weltweiten Kontakt.

 

(Bildunterschrift 2) Hat eine große Freude an Ahnentafeln und Stammbäumen: Sippenvater Josef Angele. Foto: Wohnhaas (41 kB)

Katholisches Sonntagsblatt Diözese Rottenburg-Stuttgart

Nr. 7 vom 15. Februar 1998, Auflage ca. 180.000 Exemplare

auf Seite 10 diese Reportage über die Angele-Sippe.

 

 



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