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Wilhelm Angele in Wikipedia

Wilhelm Angele ist vermutlich der erste Angele, der im offenen Web-Lexikon Wikipedia in einem eigenen Artikel beschrieben ist:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Angele

 

Laudatio zum 80. Geburtstag von Wilhelm Angele, USA, am 8. Februar 1985

An einem kalten Februartag des Jahres 1905 wurde die Familie des Bäckermeisters Wilhelm Angele und seiner Frau Magdalena in Memmingen mit einem neuen Erdenbürger beschenkt, nämlich mit Dir. Während dieser vergangenen 80 Jahre erweiterte sich der Kreis der Beschenkten über die halbe Erde. Wievielen Tausenden, deren Wege den Deinen kreuzten, hast Du das Leben bereichert, wievielen warst Du ein Geber, ein Berater, ein Lehrer, ein Helfer, ein Retter in allerlei Nöten, ein fröhlicher, warmherziger, treuer Freund!

Junge Leute glauben manchmal, man würde mit 80 Jahren sozusagen auf dem Gipfel seines Lebens stehen und auf alles mit Gelassenheit, fast mit kühler Distanz, herabsehen. Dieses Bild paßt nicht auf Dich! Zwar bis Du während Deines ganzen Lebens fortwährend gestiegen und hast so manche Höhe erklommen, aber für Dich geht das Steigen weiter. Noch siehst Du hinter jedem Gipfel neue Gipfel, höher und strahlender als die letzten, und noch erfüllt Dich jeder Anstieg mit neuer Erwartung, mit neuem Drang zu sehen, zu erkennen, zu verstehen.

Viele der Meilensteine an Deinem Lebensweg kenne ich nur aus Deinen Erzählungen: Das väterliche Pferdegespann, das Du mit Deinem Bruder so meisterhaft kutschiert hast; die Brezelbäckerei, deren hohe Kunst Deine Freunde bis zum heutigen Tag immer wieder kulinarisch genießen; Deine Lehrlings- und Gesellenjahre als Elektro-Installateur; Dein Studium der elektrischen Wissenschaften in Nürnberg; Deine sehr wichtigen Beiträge zur Entwicklung der Farbfilm-Technik bei Siemens in Berlin; die Entwicklung der ersten Kreiselsteuerungen für Flugzeuge; Deine entscheidenden Arbeiten zu den elektrohydraulischen Rudermaschinen für von Brauns A-4-Rakete in Peenemünde; Deine bahnbrechenden Entwicklungen von Luftlagern für Kreise und Beschleunigungsmesser; Deine äußerst gründlichen und erfolgreichen Arbeiten zur Entwicklung des Flachkabels; und schließlich Deine genialen Leistungen bei der Herstellung ultrasensitiver Quarzkreisel zur Prüfung der allgemeinen Relativitätstheorie - ein Projekt, in dem Du noch heute sehr aktiv und entscheidend tätig bist. Neben dieser so ereignis- und erfolgreichen beruflichen Laufbahn hast Du immer auch einige private Projekte betrieben. Das Bauen war immer eine Deiner besonderen Leidenschaften: Selbstverständlich hast Du Dein eigenes Haus für Deine Familie gebaut, aber dann kam ein wunderbares astronomisches Observatorium mit drehbarem Dom, ein Kirchturm, ein Glockengestühl, ein seetüchtiges Ruderboot für Deinen Schwiegersohn, alle Eure Möbel im Haus, dazu eine Unzahl von Tischen, Schränken, Bücherregalen, Stühlen, Blumenvasen, Lampen, Schalen, Küchengeräten und Spielsachen für die Familie Eurer Kinder und Freunde.

Aber außer diesen Programmen, die allein schon das Fassungsvermögen verschiedener normaler Leben gefüllte hätten, pflegtest Du noch ein weiteres, das eine besondere Würdigung verdient: Deine Familie. Auch hierin warst Du mir, wie in vielen anderen Leistungen, nicht nur um die neun Kalenderjahre voraus, sondern um sieben weitere Jahre. Deine - unsere - Hildegard bereicherte Dein Leben durch ihre tiefe Neigung zur Kunst und Poesie. Eure junge Familie mußte sich schon bald durch die Wirren und Nöte des Krieges hindurch sorgen und quälen, aber dann begann 1947 ein neues Leben in Amerika, voll neuer Arbeit, aber auch voll von neuer Erwartung, neuer Hoffnung und neuer Abenteuer. Zu jener Zeit hatte ich das große Glück, nicht nur Dein Freund, sondern weitgehend ein Mitglied Eurer Familie zu werden.

Lieber Wilhelm, es gibt kaum einen anderen Menschen in meinem Leben, von dem ich so vieles gelernt habe wie von Dir, teils unter Deiner Anleitung, teils indem ich Dir einfach auf die Hände oder über die Schulter schaute oder auf Deine Worte hörte. Für alles, was ich Dir und Deiner Familie in meinem Leben verdanke an Freundschaft, an Wissen und Können, an Erlebnissen und Erfahrungen, möchte ich Dir einmal herzlich danke schön sagen!

Dr. Ernst Stuhlinger, Atomphysiker

 

"New York Times" 01-09-1996 zum Tod von Wilhelm Angele

Wilhelm Angele, Ingenieur im Weltraumprogramm, starb im Alter von 91
(von Wolfgang Saxon)
 
Wilhelm Angele, Mitglied einer Gruppe von Wissenschaftlern, die das amerikanische Raketenprogramm in den fünfziger Jahren begannen und deren letztes Arbeitsergebnis dabei helfen wird, Teile von Einsteins Relativitätstheorie in einem für das Jahr 2002 geplanten Projekt zu testen, starb am 22. August in einem Krankenhaus in Richmond. Herr Angele, der 91 Jahre alt wurde, lebte in Huntsville, Alabama, wo er im George C. Marshall Zentrum für Weltraumflug arbeitete.
Geboren wurde er in Deutschland, in Memmingen. Er wurde Ingenieur und arbeitete für den Siemenskonzern in Berlin, wo er neue Methoden zur Herstellung von Kinofarbfilmen entwickelte.
Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er für die deutsche Wehrmacht. Er gehörte dem Team von Ingenieuren um Wernher von Braun an, das elektrisches Zubehör für das Steuerungssystem der V-2 Raketen entwickelte, die England gegen Ende des Krieges bombadierten.
Zusammen mit Dr. von Braun und den meisten Wissenschaftlern, die in der deutschen Stadt Peenemünde arbeiteten, wurde Herr Angele heimlich in die Vereinigten Staaten gebracht. 1950 zogen die Wissenschaftler nach Huntsville, um ein Raketenprogramm zu starten. In den folgenden Jahren arbeitete Herr Angele an verschiedenen Projekten für die amerikanische Flug- und Weltraumbehörde, einschließlich der Saturnrakete.
Er spezialisierte sich auf die Entwicklung von Flachleiterkabeln in der Elektrotechnik und der dazugehörigen Verbindungsteile und er erhielt viele Patente für seine Entdeckungen. Diese waren gerade für die Weltraumtechnologie nützlich, weil Flachkabel weniger Platz beanspruchen als die herkömmlichen Rundkabel.
Er entwarf auch Geräte zur Herstellung von absolut runden Kugeln und eine Methode, um Abweichungen der Rundheit innerhalb kleinster Maßeinheiten (1/10tel des millionsten Teiles einer Inch = 2,54 cm). Diese Meisterleistung, die er im Raumflugzentrum in Huntsville in den sechziger Jahren hervorbrachte, trug zu dem jetzigen Projekt der NASA, das im Moment in der Abteilung für Physik an der Stanford Universität unter dem Namen "Gravity Probe B" (Gravititätsuntersuchung B) durchgeführt wird, wesentlich bei.
Der für den Oktober 2002 geplante Start des Projekt "Gravity B" soll Probleme der Relativität von Raum und Zeit erforschen und Einsteins Erkenntnisse unter Beweis stellen. "Gravity Probe B" wird in einer Höhe von 4 000 Meilen direkt über den Polen kreisen. Seine zentralen Gyroskop-Rotoren, die mit Angeles Erfindungen aufs präziseste arbeiten, sind absolut frei von Störungen, so daß das Projekt eine beinahe perfekte Meßmethode des Raumes in Relation zur Zeit liefern wird.
Herr Angele war bis zu seinem Ruhestand 1974 Abteilungsleiter der NASA in Huntsville, wo er für die praktische Anwendung von Raumfahrtinstrumenten zuständig war.
Seine Frau Hildegard Zimmermann Angele, mit der er 52 Jahre verheiratet war, starb letztes Jahr. Seine Tochter Barbara Lusk lebt in Huntsville, die Tochter Christiane Jacobson in Richmond.

Wilhelm Angele in "New York Times" 01-09-1996

Wilhelm Angele, Engineer in Space Program, died at the age of 91,

(by Wolfgang Saxon)

Wilhelm Angele, a member of the team of scientists who began the American rocket program in the 1950's and whose last contribution will help test parts of Einstein's general theory of relativity in a project scheduled for the year 2002, died on Aug. 22 in a hospital in Richmond. Mr. Angele, who was 91, formerly lived in Huntsville, Ala., where he worked at the George C. Marshall Space Flight Center.

He was born in Memmingen, Germany, became an engineer and was hired by the Siemens concern in Berlin to develop ways to make color film for the movies.

Working with the German armed forces in World War II, Mr. Angele joined Wernher von Braun's engineering team and made electrical parts for the guidance system of the V-2 rockets that struck Britain near the end of the war.

Along with Dr. von Braun and most of the scientists who worked in the German town of Peenemünde, Mr. Angele was brought in secrecy to the United States. In 1950's, the team moved to Huntsville to start a rocket program. Subsequently, Mr. Angele worked on a number of projects for the National Aeronautics and Space Administration, including the Saturn launching rocket.

He specialized in developing flat conductor cables for electricity and the fittings to connect them, and he received many patents for this work. The technology was useful in space technology because flat cables take up less room than the conventional round ones.

He also devised machinery to produce perfectly round spheres and a way to measure deviations in roundness within one-tenth of a millionth of an inch. That feat, achieved at the space flight center in Huntsville in the 1960's, contributed to the current project for NASA being conducted by the physics department of Stanford University, Grafity Probe B.

Scheduled for launching in October 2002, the Gravity Probe B is designed to investigate problems in the relativity of space and time, and Einstein's formulation of it.

Gravity Probe B will orbit at an altitude of 400 miles directly over the poles. Its vital gyroscope rotors, finetuned with Mr. Angele's technology, are so free of disturbance that the mission will provide an almost perfect way of measuring space in reference to time.

Mr. Angele retired from NASA in 1974 as a division chief in Huntsville, overseeing the practical applications of space hardware.

His wife of 52 years, Hildegard Zimmermann Angele, died last year. He is survived by two daughters, Barbara Lusk of Huntsville and Christiane Jacobson of Richmond.

 



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